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Verdrängung per Schuhschachtel (Selbstversuch)

Schon bald ist 1 Uhr morgens, und dann ist es 11 Stunden her, dass ich mein schlaues Taschentelefon ausgeschaltet und in eine Schuhschachtel gesteckt habe - nach dem Motto, aus den Augen, aus dem Sinn!

Ich habe mich entschlossen, die Schuhschachtel vor Montag nicht mehr anzufassen. Da kann ich ganz schön stur sein. Vor ein paar Tagen hat Madame mir noch gesagt, ich sei die dickköpfigste Person, die sie kenne - für mich ein Kompliment des höchsten Ranges.

So was gefällt mir dann wieder.

Hm, hm. Stur sein! Stur sein, um mich davor zu bewahren, vollkommen den Verstand zu verlieren. Ich mag es nicht besonders, wieder im Hormonchaos zu schwimmen. Das ist eine Weile her, dass mir das passierte, und ich dachte eigentlich von mir selbst, ich wäre eine vernünftige Person.

Einer vernünftigen Person passiert so was eben nicht. Eine vernünftige Person mutiert nicht plötzlich zum von-Kurznachrichten-Besessenen.

Vielleicht ist also doch nicht so viel Vernunft in mir! Auf jeden Fall kommt sie nicht an, die Vernunft, gegen diese Gefühle. Da hilft alle Logik der Welt mir nicht mehr aus der Klemme.

Ich habe mich abgelenkt; war mit Freunden zusammen, hatte einen schönen Abend, habe nur ab und zu an den Blauäugigen gedacht. So ganz verdrängen kann ich ihn nicht mehr, aus meinen Gedanken.

The Perks of Being A Wallflower
"Why can't you save anyone?"


Ja, du meine Güte. Jetzt steckt er in meinen Gedanken fest wie Kaugummi, oder nein - wie Tribbles! Ganz süss, aber plötzlich überwältigend, plötzlich überall, und ohne dass ich es kommen sah.

Du und deine blauen Augen.

Ich möchte dich verwünschen und dich herwünschen zugleich. Ich möchte von dir hören und überhaupt nichts hören zugleich. Ich möchte, dass du genauso durchdrehst, wie ich das gerade tue, und dass du an mich denkst, wie ich an dich denke, wie ich nicht aufhören kann, an dich zu denken.

Ich denke an unsere Gespräche, und ich mag diese Gespräche, ich rufe sie mir gerne in Erinnerung, kann mir immer ein Lächeln abringen damit, egal, wie sehr ich gerade über meine Gefühle und meiner Machtlosigkeit diesen Gefühlen gegenüber am verzweifeln bin -

"You can drink with me. Gives you a reason to drink quicker."
"Or slower."
"Oh, stop flirting!"


- es ist nichts ernstes, bis jetzt. Aber ich habe das Gefühl, ich falle Hals über Kopf in ernsthaftes Gewässer, obwohl es noch gar nicht an der Zeit ist, da reinzuwaden, ich sollte wohl auf dich warten, oder vielleicht schwimmst du ja selbst schon darin?

Woher soll ich das wissen!

Komm, frag mich, was ich fühle. Ich werde dich bestimmt nicht belügen, von Lügen halte ich nicht viel, und irgendwie würde ich das alles hier gerne von meiner Brust wegreden. Es soll nicht auf mir lasten, es soll aufhören, mir die Lust zum Essen, zum Schlafen zu nehmen.

Ich bin noch gar nicht bereit für die Liebe.

Dachte ich zumindest.

Aber wie soll ich denn jetzt noch einen Gang runterschalten? Das kann ich nicht mehr. Es ist bereits zu spät. Du kannst mich mit Nichtstun zerreissen und mit Tun schweben lassen, wenn du nur willst, und das ist zu viel Macht, die ich dir gegeben habe.

Unfreiwillig, zwar - aber der Kopf kann noch so häufig mahnen, mein Herz macht am Ende doch, was auch immer es will. Und gerade will es dich, mein Lieber, mein Blauäugiger.

Das Problem ist wohl, dass ich der Sache nicht so recht zu trauen vermag. Das letzte Mal Herzschmerz ist noch nicht lange genug her dafür. Und, na ja, das hat mit dir so gar nichts zu tun, aber ich trage es eben mit mir rum, und wenn du so weitermachen willst, ja, dann wird es auch zu deinem Problem, eventuell.

Ich werde mir Mühe geben, meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Noch habe ich nie etwas bereut, dass ich unter diesem Gefühl des verliebten Durchgeknalltseins getan habe. Ich war immer ehrlich; und das ging nicht immer gut, aber man bereut doch die Chancen, die man nicht wahrgenommen hat, und nicht diejenigen, in denen man am Ziel vorbeigeschossen ist, oder Fehler gemacht hat.

Selbst wenn man Fehler macht, lernt man.

Vom Nichtstun gibt es nichts zu lernen.

Aber ich habe genug Zeit damit verbracht, meine Hände dir entgegenzustrecken, letzten Freitag. Jetzt muss ich mich erstmal zum Nichtstun zwingen. Ich möchte nicht den beinahe kopflosen Nick imitieren, und vielleicht treibt es dich ja auch ein wenig in den Wahnsinn, wenn ich mal nicht online bin.

Wäre ja nur fair.

Gute Nacht.
23.4.17 01:13
 
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chaste & yvi