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nolite te bastardes carborundorum

(don't let the bastards grind you down)

Beinahe ist das Selbstexperiment durchstanden. Bald geht es zu Bett; morgen schalte ich mein Taschentelefon wieder ein. Wann, habe ich noch nicht entschieden. Wird es das Erste sein, das ich morgens tue? Oder gehe ich zuerst ins Büro, damit ich meinen Morgen zuvor auskosten kann?

Wir werden sehen.

Ich weiss noch nicht; das Taschentelefon einschalten bringt mich sich die Gefahr, dass ich diese Nervosität wieder einlade, in meine Brust. Hat er geantwortet, wann war er zuletzt online, wie lange ist es her, hat er meine Nachricht gesehen?

Tatsächlich konnte ich diese Anspannung ablegen; es war nicht sofort, und es war nicht ununterbrochen, manchmal kam sie zurück, aber nie blieb sie lange, nur kurz reinschauen und dann wieder gehen. Es war richtiggehen erholsam. Und mein Appetit war auch da.

Kurios, wie sich dieser Sonntag angefühlt hat. Ohne das Taschentelefon, ohne facebook, auch Skype oder tumblr habe ich nicht angerührt, obwohl ich gekonnt hätte, obwohl das nicht mit mir selbst verabredet war. Aber ich habe keine Motivation gehabt dafür.

Stattdessen verbrachte ich den Tag in einem Zustand erfrischender Langeweile. Ich war nicht gelangweilt, aber der Tag war langsam, und das half, mich zu beruhigen. Gefühle wurden analysiert, studiert, und schliesslich beiseite gesetzt, für ein literarisches Abenteuer. Ich zog ein Buch aus dem Bücherregal, das nicht meines ist, aber von dem ich Erlaubnis bekommen habe, zu lesen, und habe The Handmaid's Tale in diesem einen Tag durchgelesen. Das Buch habe ich gelesen, im Bett liegend, sitzend, auch auf dem Fensterbrett, später am Nachmittag manchmal mit Sonne. Margaret Atwood hat ein Händchen für Worte, für clevere Arten, Sätze zu spinnen.

Einer meiner liebsten Stellen:

"Is that how we lived then? But we lived as usual. Everyone does, most of the time. Whatever is going on is as usual. Even this is as usual now.
We lived, as usual, by ignoring. Ignoring isn't the same as ignorance, you have to work at it.
Nothing changes instantaneously: in a gradually heating bathtub you'd be boiled to death before you knew it. There were stories in the newspapers, of course, corpses in ditches or the woods, bludgeoned to death or mutilated, interfered with as they used to say, but they were about other women, and the men who did such things were other men. None of them were the men we knew. The newspaper stories were like dreams to us, bad dreams dreamt by others. How awful, we would say, and they were, but they were awful without being believable. They were too melodramatic, they had a dimension that was not the dimension of our lives.
We were the people who were not in the papers. We lived n the blank white spaces at the edges of print. It gave us more freedom.
We lived in the gaps between the stories."


Ich ging in die Küche und habe mich in belanglose, interessante und uninteressante Gespräche verwickeln lassen, bis 9 Uhr abends war - und da bin ich erschrocken, schon so spät? Ich muss noch Duschen, und die letzten dreissig Seiten des Buches lesen, von diesen eingesperrten Frauen--

"A rat in a maze is free to go anywhere, as long as it stays in the maze."

--und hier, ein anderer Abschnitt, im dem Atwood wahre Wortmagie auf die Seite bringt:

"Night falls. Or has fallen. Why is it that night falls, instead of rising, like the dawn? Yet if you look east, at sunset, you can see night rising, not falling; darkness lifting into the sky, up from the horizon, like a black sun behind cloudcover. Like smoke from an unseen fire, a line of fire just below the horizon, brushfire or a burning city. Maybe night falls because it's heavy, a thick curtain pulled up over the eyes. Wool blanket. I wish I could see in the dark, better than I do.
Night has fallen, then."


Ich habe meine Wäsche gewaschen, meinem Zimmer eine notwendige Staubsaugertour verpasst. Lippenstift aufgetragen, aus reiner Laune heraus, obwohl ich heute keinen Fuss nach draussen setzte, ist egal, ich lache mein Spiegelbild an, ich mag meine Lippen bemalt.

Meine Haare sind nass, und ich habe an dich gedacht, natürlich: du bist aus meinen Gedanken nicht mehr zu verbannen. Aber ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass an dich denken ein schneller Flug in die Kaninchenhöhle war, dass ich meinen Verstand verliere, am Rad drehe.

Der Sonntag war ruhig, und ich habe Ruhe in mir gefunden.

Für wie lange das anhalten wird? Wer weiss. Jetzt versuchen wir erst mal, zu schlafen, ja? Späteres kommt später.
23.4.17 22:21


Diese Verliebtheit frisst mein Hirn

21 einhalb Stunden. Nicht, dass ich die Stunden zählen würde, oder so...



I'm okay but I went to see the doctor yesterday
to tell him how my heart it's going crazy
it feels like I got hit by a train
what is happening?
he said
listen
you fool
you're falling
in love
again


Eine Playlist mit dem Titel "new love eats my brain" hat mich heute inspiriert. Es ist wahr - so fühlt es sich an. Etwas problematisch, für jemanden, der sein Hirn mit Gold aufwiegt, der sich gerne damit brüstet, kein kompletter Idiot zu sein.

Nun, das habe ich eben davon. In der Zwischenzeit bin ich eine Idiotin, und es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich damit abzufinden, dass mein Gehirn langsam aufgefressen wird. Dagegen gibt es noch kein Heilmittel. Da müsste man mir schon Herz und Hirn entfernen, damit das aufhören würde.

falling in love will kill you!


Ich ertappe mich dabei, wie ich in Kreisen denke. Mein Kopf ist im Orbit um dich, und kehrt immer und immer und immer wieder zu dir zurück. Schau nur, was du mit mir gemacht hast!

Ich weiss nicht mehr, wo oben und unten ist. Alles, was ich noch weiss, ist, dass jeder zweite meiner Gedanken dich betrifft, und ich habe noch genug Präsenz um mir zu denken, dass ich übertreibe.

Ehrlich, ich übertreibe doch!

Das würde dich doch in die Flucht verschlagen, wenn du wüsstest, wie ich hier am Rad drehe. Es würde mich selbst auch in die Flucht verschlagen, wenn ich wegrennen könnte, aber das kann ich nicht.

Es ist wohl egal, wie sehr man sich denkt, dass man zu alt ist um sich zu verlieben wie eine Sekundarschülerin. Es ist wohl egal, wie häufig man sich das Herz schon gebrochen hat.

Jederzeit kann Amor dich wieder aufspiessen, dich zappeln lassen, dich ein wenig quälen damit, wie wunderbar und angsteinflössend dieser Hormonmix ist. Sag, Amor, wie häufig muss ich das hier denn noch durchmachen? Sag, Amor, wird man irgendwann zu vernünftig für die Liebe?

Ich mag dieses Gefühl, aber ich kann es nicht ausstehen.

Ringen mit mir selbst im Sägemehl. Da wird der stärkste Mensch der Welt müde. Sich aufraffen, das Sägemehl von den Hosen klopfen, dann schon auf in die nächste Runde. Es fühlt sich ein wenig an, als könnte ich genausogut hier sitzen, Löffel in der Hand, und das Sägemehl freiwillig essen, anstelle kopfvoran reingetunkt zu werden, bis ich Spähne atme.

Ach, ich weiss nicht, was mit mir los ist. Und ich weiss es gleichzeitig sehr genau. Ist nicht das erste Mal, das Amor an meine Tür klopft und mich dann mitten in die Brust trifft, before ich "hallo" sagen kann.

Aber das ist eben nie zu vergleichen. Weisst du? Man fällt einmal, zweimal, dreimal. Es ist nie dasselbe. Das Gefühl ist auf seltsamste Art immer wieder neu. Ich habe die Liebe vermisst, aber jetzt, da sie mich wieder im Visier hat, bin ich überfordert damit. Ich möchte mehr Zeit, und gleichzeitig möchte ich vorwärtsspulen, ein paar Stunden, ein paar Tage, nur, bis ich dich wiedersehe.

Verliebtsein verträgt sich nicht gut mit meinem Stolz, jetzt gerade. Ich fühle mich entwürdigt, wie ich dir erliegen bin, ohne mich dagegen zu wehren, wie ich immer und immer wieder Zeit damit verbringe, auf dich zu warten.

Das verträgt sich nicht mit meinem Stolz. Und ich vertrage mich noch nicht so recht mit dem erneuten Verlieben, ich vertrage mich noch nicht mit dem Gefühl des Fallens, das jeden einzelnen meiner Schritte begleitet.

Irgendwie werde ich meinen Frieden damit finden müssen. Ich muss die Vergangenheit eben Vergangenheit sein lassen, den Schmerz von gestern nicht über mir schweben lassen wie eine grosse, dunkle Wolke gefüllt von schlechten Omen, und ich muss dich sehen.

Ich bin ein wenig besessen von dir, und es ist mir schon ein wenig peinlich. Aber ich werde mich damit vertragen, mit diesem Chaos der Gefühle, und damit, dass du nicht aufhörst, in meinen Gedanken herumzuhüpfen wie ein junges Fohlen.

Keine Angst, ich schaff das schon.

(Ich frage mich, wie du dich fühlst?)
23.4.17 11:34


Verdrängung per Schuhschachtel (Selbstversuch)

Schon bald ist 1 Uhr morgens, und dann ist es 11 Stunden her, dass ich mein schlaues Taschentelefon ausgeschaltet und in eine Schuhschachtel gesteckt habe - nach dem Motto, aus den Augen, aus dem Sinn!

Ich habe mich entschlossen, die Schuhschachtel vor Montag nicht mehr anzufassen. Da kann ich ganz schön stur sein. Vor ein paar Tagen hat Madame mir noch gesagt, ich sei die dickköpfigste Person, die sie kenne - für mich ein Kompliment des höchsten Ranges.

So was gefällt mir dann wieder.

Hm, hm. Stur sein! Stur sein, um mich davor zu bewahren, vollkommen den Verstand zu verlieren. Ich mag es nicht besonders, wieder im Hormonchaos zu schwimmen. Das ist eine Weile her, dass mir das passierte, und ich dachte eigentlich von mir selbst, ich wäre eine vernünftige Person.

Einer vernünftigen Person passiert so was eben nicht. Eine vernünftige Person mutiert nicht plötzlich zum von-Kurznachrichten-Besessenen.

Vielleicht ist also doch nicht so viel Vernunft in mir! Auf jeden Fall kommt sie nicht an, die Vernunft, gegen diese Gefühle. Da hilft alle Logik der Welt mir nicht mehr aus der Klemme.

Ich habe mich abgelenkt; war mit Freunden zusammen, hatte einen schönen Abend, habe nur ab und zu an den Blauäugigen gedacht. So ganz verdrängen kann ich ihn nicht mehr, aus meinen Gedanken.

The Perks of Being A Wallflower
"Why can't you save anyone?"


Ja, du meine Güte. Jetzt steckt er in meinen Gedanken fest wie Kaugummi, oder nein - wie Tribbles! Ganz süss, aber plötzlich überwältigend, plötzlich überall, und ohne dass ich es kommen sah.

Du und deine blauen Augen.

Ich möchte dich verwünschen und dich herwünschen zugleich. Ich möchte von dir hören und überhaupt nichts hören zugleich. Ich möchte, dass du genauso durchdrehst, wie ich das gerade tue, und dass du an mich denkst, wie ich an dich denke, wie ich nicht aufhören kann, an dich zu denken.

Ich denke an unsere Gespräche, und ich mag diese Gespräche, ich rufe sie mir gerne in Erinnerung, kann mir immer ein Lächeln abringen damit, egal, wie sehr ich gerade über meine Gefühle und meiner Machtlosigkeit diesen Gefühlen gegenüber am verzweifeln bin -

"You can drink with me. Gives you a reason to drink quicker."
"Or slower."
"Oh, stop flirting!"


- es ist nichts ernstes, bis jetzt. Aber ich habe das Gefühl, ich falle Hals über Kopf in ernsthaftes Gewässer, obwohl es noch gar nicht an der Zeit ist, da reinzuwaden, ich sollte wohl auf dich warten, oder vielleicht schwimmst du ja selbst schon darin?

Woher soll ich das wissen!

Komm, frag mich, was ich fühle. Ich werde dich bestimmt nicht belügen, von Lügen halte ich nicht viel, und irgendwie würde ich das alles hier gerne von meiner Brust wegreden. Es soll nicht auf mir lasten, es soll aufhören, mir die Lust zum Essen, zum Schlafen zu nehmen.

Ich bin noch gar nicht bereit für die Liebe.

Dachte ich zumindest.

Aber wie soll ich denn jetzt noch einen Gang runterschalten? Das kann ich nicht mehr. Es ist bereits zu spät. Du kannst mich mit Nichtstun zerreissen und mit Tun schweben lassen, wenn du nur willst, und das ist zu viel Macht, die ich dir gegeben habe.

Unfreiwillig, zwar - aber der Kopf kann noch so häufig mahnen, mein Herz macht am Ende doch, was auch immer es will. Und gerade will es dich, mein Lieber, mein Blauäugiger.

Das Problem ist wohl, dass ich der Sache nicht so recht zu trauen vermag. Das letzte Mal Herzschmerz ist noch nicht lange genug her dafür. Und, na ja, das hat mit dir so gar nichts zu tun, aber ich trage es eben mit mir rum, und wenn du so weitermachen willst, ja, dann wird es auch zu deinem Problem, eventuell.

Ich werde mir Mühe geben, meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Noch habe ich nie etwas bereut, dass ich unter diesem Gefühl des verliebten Durchgeknalltseins getan habe. Ich war immer ehrlich; und das ging nicht immer gut, aber man bereut doch die Chancen, die man nicht wahrgenommen hat, und nicht diejenigen, in denen man am Ziel vorbeigeschossen ist, oder Fehler gemacht hat.

Selbst wenn man Fehler macht, lernt man.

Vom Nichtstun gibt es nichts zu lernen.

Aber ich habe genug Zeit damit verbracht, meine Hände dir entgegenzustrecken, letzten Freitag. Jetzt muss ich mich erstmal zum Nichtstun zwingen. Ich möchte nicht den beinahe kopflosen Nick imitieren, und vielleicht treibt es dich ja auch ein wenig in den Wahnsinn, wenn ich mal nicht online bin.

Wäre ja nur fair.

Gute Nacht.
23.4.17 01:13


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chaste & yvi