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Wie man: ihn NICHT vermisst

Jetzt ist es ziemlich genau 2 Tage her, dass ich endlich von ihm gehört hat, dass er eine Freundin hat. 2 Tage, seitdem ich mit ihm geschrieben habe. 2 Tage, seitdem ich zuletzt einen Piep von ihm gehört habe.

see, I’m true, my songs are where my heart is
I’m like glue, I stick to other artists
I’m not you, now that would be disastrous


- you need me, man, I don’t need you at all -
they say I’m up and coming like I'm fucking in an elevator


Dienstag. Der Tag nach dem Debakel. Geschlafen habe ich nicht besonders gut, oder genug. Haha. (dry laughter) Aber ich habe mich dazu gebracht, darüber zu reden, und mehr Support zurückbekommen, als ich jemals erwartet hätte. Befreundet zu sein mit Personen, die wirklich gut sind darin, Informationen zu sammeln über andere, hat Vorteile bewiesen.

Ich wusste nicht, dass das überhaupt möglich war, am Tag nach dem Debakel darüber zu reden und zu lachen, lachen, lachen.

N. ist gleich zu ihm rübermarschiert und hat eine Unterhaltung über seine Freundin mit ihm geführt. Ihre Eindrücke waren Gold wert. ("I don't think it's very serious, and I think he feels backed up against a wall, because he didn't want people to know about her.") Ich weiss mehr über seine Freundin nach einem Tag nicht mit ihm Reden als nach einer Woche mit ihm Redens (sie kommt aus..., sie hat folgenden Beruf..., sie wird in Frankreich studieren ab September...). Und A. hat - irgendwoher, fragt mich nicht, wie, die Frau ist pure Magie - Details herausgefunden darüber, wie sie sich kennengelernt haben.

Stichwort Tinder.

Ich habe viel gelacht, und wohl auch viel gelästert. Es tat mir überhaupt nicht leid, dass der Herr sich gegen seinen Willen damit abfinden muss, dass jeder weiss, dass er eine Freundin hat (was, übrigens, nicht mein Verdienst war).

Oh, nein. Ganz im Gegenteil. Bitte lass den Herren leiden, Universum.

Das hat mir nur Freude bereitet.

Mittwoch. Ein nicht-so-guter Tag, was erst gar nichts mit ihm zu tun hat. Mittags bei der Chorprobe einen Schwächeanfall (schwarz vor den Augen), aber dafür hat man ja Kollegen, die dich ausschimpfen und zum Dessertregal schieben, da, iss Zucker! I need some sugar, I need something fake.

Arbeit war. Na ja. Langeweile, Frustration, den Nachmittag damit verbracht mein Profil auf LinkedIn zu updaten und "connections" zu finden. Ich mag das so gar nicht, wenn es meiner Arbeit egal ist, ob ich da bin oder nicht.

Aber dann! Afterwork! Mein wöchentlicher Abend des networkings, an dem ich mit möglichst vielen Praktikanten rede. Das ist genau das, was ich brauche! Und hat auch Spass gemacht, für die ersten 2 Stunden, von Tisch zu Tisch huschen, überall hallo sagen und mehr oder weniger belanglose Gespräche führen (die französischen Wahlen, das beste Bier im Laden, ohhhh Käse!).

Dann wurde ich plötzlich still. So ungefähr eineinhalb Stunden in den Event hinein. Die Witze, die die anderen reissen, kommen mir unlustig vor, auf einmal. Und ich vermisse ihn - vermisse das Geplänkel, das wir beide an solchen Abenden austauschen würden, er brachte mich immer so zum Lachen!

Ich sage hallo zu einem, der ist ganz süss, aber, na ja. Eben nicht er. Das sollte ja was Gutes sein - er hat bewiesen, dass sein Liebesleben eine totale Katastrophe ist, mit dem ich nichts zu tun haben will, dankeschön - aber. In dem Moment habe ich ihn vermisst.

Bald darauf bin ich gegangen, und nun. Vermisse ich ihn immer noch. Die Versuchung war so, so gross, ihn anzuschreiben, aber da hab ich mich an der Nase genommen. Nein nein nein nein, das machen wir nicht. Diesem Typen schreiben, der mich auf der Seite aufgezogen hat, einfach so, und mir nicht sagen wollte dass er eine Freundin hat weil das ist ja zu persönlich? Ja? Was?!

Der wird nicht angeschrieben. Nein.

(Aber ich vermisse ihn halt, verdammt. Seinen Humor und unsere Gespräche, mehr als irgendwas sonst.)

Ja. Er ist sowieso dabei, mich zu meiden, wenn ich das richtig interpretiere, also. Soviel zu dieser ach-so-wichtigen Freundschaft, von der er geredet hat. Es ist ein Moment der Schwäche für mich, denn jetzt gerade will ich diese Freundschaft. Aber das kann doch sowieso nicht gutgehen.

Ich will ihn nicht vermissen, verdammt. Das ist eine Verschwendung von Zeit und Gefühlen!

Aber: ich konnte ihn beinahe 2 Tage lang nicht vermissen. Das ist doch immerhin etwas. Oder?
26.4.17 22:32


Ich weiss es nicht!

"Whatever inspiration is, it's born from a continuous 'I don't know'."



it's a new dawn
it's a new day
it's a new life
it's a new life
for me

and I'm feeling good



Ich möchte alle Gelegenheiten beim Schopf packen. Möchte meine Angst überwinden, jeden Tag. Das frustrierendste, das mir bei der Arbeit passieren kann, ist nicht genügend Druck zu haben.

Seltsam, oder?

Aber ich kann mir da nicht helfen; zu viel Druck ist schlecht, und bei zu wenig Druck erlieg ich schnell der Langeweile, fühle mich als würde ich welken wie eine Blume, der man kein Wasser mehr gibt.

Was ich brauche, sind Herausforderungen. Und diesen Montag - heute - gab es keine, bei der Arbeit, und das war schwer. Motivation aufbringen, für Dinge, die nicht eilen, die keiner von mir erwartet, dass ich sie schnell erledige?

Herkulesaufgabe.

Dafür aber. Dafür bin ich voll von Nichtwissen, bis zum Hals vollgestopft davon, mit Dingen, die ich nicht weiss - und anscheinend ist das gut! Es ist voll von Gelegenheiten, sagt Wislawa Szymborska:

"This is why I value that little phrase "I don't know" so highly. It's small, but it flies on mighty wings. It expands our lives to include the spaces within us as well as those outer expanses in which our tiny Earth hangs suspended. If Isaac Newton had never said to himself "I don't know," the apples in his little orchard might have dropped to the ground like hailstones and at best he would have stooped to pick them up and gobble them with gusto. Had my compatriot Marie Sklodowska-Curie never said to herself "I don't know", she probably would have wound up teaching chemistry at some private high school for young ladies from good families, and would have ended her days performing this otherwise perfectly respectable job. But she kept on saying "I don't know," and these words led her, not just once but twice, to Stockholm, where restless, questing spirits are occasionally rewarded with the Nobel Prize."


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Der Blauäugige, der Engländer, ist so verdammt heftig ins Fettnäpfchen getreten, dass es unter seinem Fuss zerbrach. Ich hoffe, du kriegst diese Sauerei nie wieder aus der Hose, darling.

Ich fühle mich - erleichtert, befreit, enttäuscht, und wütend, aber auf eine langsame Art, es brodelt irgendwo tief in mir drin, und da ist es einfach zu ignorieren.

Zumindest muss ich nie mehr mich selbst verrückt machen, um auf seine Antwort zu warten.

Warum?

Weil. Haltet euch fest.

Er hat eine Freundin.

"What a guy," said the Greek girl, shaking her head, when I told her about it. "What a guy."

Nein, schon okay - man kann ganz einfach mal eine Woche lang rumflirten mit der gleichen Person, sich gegenseitig aufziehen, jeder zweite Satz zweideutig (oder mehr), Berührungen, die nicht nötig sind, Umarmungen, seine Hand an meinem Rücken, viel gemeinsam Lachen.

Da spricht ja nichts dagegen.

Bis dann, ja. Bis dann. Bis dann ich komme, und ihm einen Strich durch die Rechnung mache, weil sein um-den-Brei-Gerede anfängt, mich ganz kirre zu machen. Weil ich Antworten verlange. Was Sache ist, lässt er sich von mir langsam aus der Nase ziehen.

Und dann - dann - wenn ich endlich weiss was los ist, und meine, dass er das auch einfach hätte SAGEN KÖNNEN, da fühlt er sich wohl beleidigt / angegriffen, möchte sich gleich rechtfertigen, dass ich eine Freundin habe ist persönlich, das sage ich eben nicht Jedem, etc. etc.

Ich bin weniger als unbeeindruckt.

"What I'm getting from this is 'friends is fine but please stop flirting'. How far off am I?"
"I'd say good friends, unless you're going to willfully misinterpret that."
- not even fucking funny, dude

Mein Gott. Bin ich froh, bin ich nicht die Freundin. Mir vorzustellen, in so einer Situation am anderen Ende zu sein - das hätte in viel Elend geendet, mit uns. Den hätte ich doch auseinandergerissen, komplett fertig gemacht, nichts Gutes an ihm drangelassen.

Ein Teil von mir glaubt's immer noch nicht wirklich.

"People are just fucked up."

Oh, I don't know. Ich lass den Jungen erst mal hinter mir. Ich lass mich ein wenig wütend sein.

Er sprach von unserer "Freundschaft" als wär sie ihm was wert. Wie häufig haben wir uns getroffen, dreimal? Vielleicht vier? Unsere Freundschaft. Was für ein lustiger Kerl. Freundschaft ist ziemlich tot für mich, in dieser Situation. Wenn er hofft, er könne mich weiter anspannen mit diesem Schmarrn, dann kann er die Luft anhalten, bis er ganz blau ist. Die ganze Flirterei, das ganze Zweideutige, und dann ein "just friends"?

Listen. I don't think you deserve me as a friend, either.

Ich werde dir sagen, was jetzt passieren wird: du wirst aus meinem Leben rausgeschnitten, verschwinden. Und du wirst es nicht einmal bemerken, bis es zu spät ist.
25.4.17 11:44


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